Mittwoch, 11. November 2015

Blog Event: Wie deutsch isst du wirklich?

Sabine von Hamburg kocht hat im Moment das Blog Event "Pegida aufessen oder Wie deutsch isst du wirklich" laufen.
Es geht darum nachzuforschen woher ein typisches Gericht der eigenen Heimatregion bzw. dessen Zutaten ursprünglich kommen.

Blogevent: NOPEGIDA

Spontan fiel mir da die Frankfurter Grüne Soße ein.

Diese kalte Kräutersoße wird aus sieben Kräutern (Schnittlauch, Kerbel, Pimpinelle, Borretsch, Sauerampfer, Petersilie und Kresse) hergestellt.
Die Kräuter werden fein gehackt und dann (jedenfalls bei uns) mit Majonaise und Dosenmilch verrührt. Abgeschmeckt wird dann mit Salz, Pfeffer und etwas Zucker.
In die Soße werden dann noch nach Belieben hartgekochte, geviertelte Eier gegeben.
Wir servieren sie immer mit gekochten Kartoffeln.

Traditionell werden die Kräuter, die man schon als fertige Mischung auf dem Markt kaufen kann, in Frankfurt Oberrad angebaut. 15 dieser Gärtnereien haben sich zu einem Verein zum Schutz der Frankfurter Grüne Soße zusammengeschlossen. Und sogar ein Denkmal für die Grüne Soße gibt es hier. Also absolut typisch Frankfurterisch.

Alle Jahre wieder gibt es die Grüne Soße bei uns am Karfreitag. Traditionell wird sie von meinem Vater, einem Frankfurter, zubereitet. Die Kräuter werden in Frankfurt angebaut, dass Rezept stammt aus einem Frankfurter Kochbuch, schon Goethes Mutter erwähnte es ... also typisch Hessisch / Frankfurterisch geht es doch wirklich nicht mehr.

Denkste !

Als ich mich bei Wikipedia schlau machte, staunte ich nicht schlecht über meine "Original Frankfurter Soße". Nicht nur dass diese auch in Italien (Salsa verde) und in Frankreich (Sauce verte) bekannt ist, nein auch in Indien, Mexiko, Spanien und Trinidad und Tobago kennt man sie.
Hm, nun gut, dann hat die Soße also von Frankfurt aus ihren Siegeszug um die Welt angetreten. Klingt doch gut... Aber auch hier widerspricht Wikipedia. Das Rezept kommt ursprünglich aus dem Orient und wurde von den Römern mit nach Europa gebracht. Äh... ah ja.
Nach Frankfurt kam es dann entweder durch die Hugenotten oder durch die Italienische Familie Bolongaro. Es wurde dann hier so beliebt dass es 1860 als "Frankfurter Grüne Soße" zum ersten Mal in einem Frankfurter Kochbuch erschien.

Also ist die "Frankfurter Grüne Soße" in Wirklichkeit eine orientalische Kräutersauce.
Egal, schmecken tut sie so gut wie immer. Und gelernt habe ich auch wieder was :-)

Vielen Dank Sabine für dieses interessante Event.

Kommentare:

  1. Oha. Auch das ist überraschend. Zwar habe ich grüne Sauce noch nie gegessen, aber eigentlich hätte ich hier doch zunächst vermutet, dass sie zumindest im Mitteleuropäischen Raum erfunden worden wäre.

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  2. Danke für Deinen Beitrag! Dass die Grüne Sauce so weit verbreitet ist, hätte ich auch nicht gedacht.

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